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Nickelsberg's Farm

German Shepherd Herding

Genetik Ist Alles

Alf von Fafnerhaus (Nicky) 1998   

GENETIK IST ALLES

von Ellen Nickelsberg
Copyright Schutzhund USA Magazine 1998
Copyright Ranch Dog Trainer 1998 

Es sind zwei Triebe, die ein Herdengebrauchshund haben muß, nicht nur um im täglichen praktischen Schafehüten Erfolg zu haben, sondern auch um sich bei HGH Wettbewerben, die eine selbständige Leistung verlangen, auszuzeichnen. Diese sind:  1.) totale Hingezogenheit zum Schaf und 2.) “genetischer Gehorsam” — ein Begriff, den ich zum ersten Mal von Manfred Heyne hörte.  Diese Triebe sind genetisch, können selektiv gezüchtet werden und sind Ausdruck des Beuteinstinkts.  Je höher und ausgeglichener diese Triebe sind, desto höher ist das Niveau der Leistung, das ein erfahrener Schäfer ohne zwanghafte Ausbildung im Hund hervorbringen kann. 

Totale Hingezogenheit zum Schaf” ist ein spezifischer und konzentrierter Aspekt des Beuteinstinkts.  Es ist eine intensive, beinahe zwanghafte Form des Beutetriebes, was sich in Verhaltensformen wie: ein Schaf zu besitzen und zu kontrollieren ausdrückt, bis hin zum Ausschluß aller anderer Beuteobjekte.  Ein beispielhafter Hund mit diesem großen Trieb ist der, der sich in der Gegenwart von Schafen um nichts und niemanden kümmert als ums “Schafezählen” und der, der buchstäblich vor Vergnügen “lacht”, während er mit den Schafen arbeitet.  Man kann diesen Trieb gut erkennen, wenn man das Verhalten eines selektiv gezüchteten Hütehundes beim Patroullieren der Begrenzung einer Weide beobachtet.  Zum Beispiel:  1. der Hund bewegt sich energisch entlang der Abgrenzung;  2. er konzentriert sich total auf die Schafe auf der Weide — wobei er sie niemals aus den Augen verliert, selbst bei einem Richtungswechsel;  3. er hat buchstäblich einen “lachenden” Ausdruck im Gesicht;  und 4. sein Schwanz zeigt nach oben während der Arbeit.  “Totale Hingezogenheit zum Schaf” ist der Treibstoff, der den Hund den ganzen Tag unermüdlich arbeiten läßt — je größer der Trieb, desto höher die Oktanzahl. 

Genetischer Gehorsam” ist ein Aspekt des Herdentriebes, welcher der soziale Teil des Beutetriebes ist.  Er drückt sich aus in der Bereitwilligkeit, den Schäfer zufrie-denzustellen und den Schäfer als Führer zu akzeptieren.  “Genetischer Gehorsam” ist der Brems- und Lenkmechanismus, den der erfahrene Schäfer benutzt, um die hohe Triebkraft und die natürlichen Verhaltensweisen, die einen Hund zum Hüten bringen, aus dem Beuteinstinkt herauszuleiten.  Einem Hund mit “genetischem Gehorsam” braucht vom Schäfer nur gezeigt werden, welche Arbeit gemacht werden muß und, wenn er es einmal verstanden hat, erledigt er die Aufgabe bereitwillig, zuverläßig und vor allem selbständig — das ist “Erziehung”.  Ein Hund mit diesem Trieb will nicht nur arbeiten, er will in Kooperation mit dem Schäfer arbeiten.  Trainer mit einer Herr/Sklave-Mentalität gegenüber dem Hund sind eine Beleidigung für die genetische Veranlagung eines solchen Hundes.  Auf der anderen Seite muß ein Hund, dem “genetischer Gehorsam” fehlt, vom Schäfer befehligt werden und am Anfang oft gezwungen werden, diesselben Aufgaben gehorsam auszuführen, ob er will oder nicht — das ist “Training”.  Beide Hunde werden fähig sein, Schafe zu hüten, aber es wird ein großer Unterschied zwischen beiden sein, was die Ausübung betrifft.  Zum Beispiel wird der Hund mit “genetischem Gehorsam” lernen, zuverläßig und selbständig in Kooperation mit dem Schäfer zu arbeiten, während der Hund, dem “genetischer Gehorsam” fehlt, trainiert werden muß, zu gehorchen und lernen wird, auf Befehl des Schäfers zuverläßig zu bleiben. 

Es liegt beim Schäfer, zu entscheiden, mit welchem Hund er lieber zusammen arbeitet. Wenn der Schäfer sich nicht wohl fühlt bei dem Gedanken, den Instinkt des Hundes zu “lenken”, weil er nur weiß, wie man einen Hund mit Gehorsamsbefehlen kontrolliert, dann sollte er nicht mit einem Hund arbeiten, der gezüchtet wurde, “genetischen Gehorsam” zu haben.  Laut Manfred Heyne:  “Hunde mit triebhafter Neigung zur Arbeit mit Schafen und “genetischem Gehorsam” sind Juwelen.  Sie benötigen weder Befehle, noch reagieren sie gut auf diese.  Sie brauchen nur “gelenkt” werden, um das Beste aus ihnen herauszubringen.  Befehle bewirken bei diesen Hunden ein nachteiliges Verhältnis zwischen Hund und Schäfer, während die “Lenkung” ihres Instinkts und Triebs ein kooperatives Verhältnis erzeugt, in dem der Hund besser und auf einer viel höheren Ebene mit dem Schäfer zusammenarbeitet.” 

Mein Interesse beim HGH-Hüten gilt dem Hund.  Was mich begeistert ist, zu beobachten, wie die selektiv gezüchteten, wesentlichen Instinkte des Hundes in Gegenwart von Schafen lebendig werden.  Was mich herausfordert ist, zu lernen, wie man dieses instinktive Beuteverhalten durch “genetischen Gehorsam” in angemessenes Schafehütenverhalten “lenkt”, das notwendig ist, dem Schäfer zu dienen, ohne dabei im Verlauf die Kraft und Energie dieser Instinkte zu verlieren. 

Ich schulde Manfred Heyne einen unermäßlichen Dank.  Sein großzügigerweise mit mir geteiltes Wissen, seine Ermutigung und vor allem sein Beispiel haben mich auf diese Höhe des Respekts und der Würdigung für den selektiv gezüchteten Herdenge brauchshund gebracht.  Nicht nur hatte Manfred Heyne schon vor 40 Jahren das Verständnis, die Wichtigkeit und den Nutzen zu sehen, Schäferhunde für hohe Triebkraft, “genetischen Gehorsam” und andere Eigenschaften, die zum Schafehüten angemessen sind, selektiv zu züchten, sondern er hatte auch die Voraussicht und den Mut, zu verstehen, daß er gleichzeitig von zwanghaften Trainingsmethoden Abstand nehmen muß, um zu lernen, wie man mit den Instinkten des Hundes arbeitet.  Ich sage “Mut” deshalb, weil es eine Menge an Mut braucht, von der Sicherheit und Vorhersehbarkeit eines Befehl/Kontroll-Gehorsamstrainings loszubrechen, um die kraftvollen, rohen Beuteinstinkte eines Hundes zu “lenken”, ohne etwas anderes als “genetischen Gehorsam” als Kontrolle zu benutzen. 

Wir alle wissen, was einen Hund trainieren bedeutet.  Es bedeutet, dem Hund ein Wort oder ein Signal beizubringen, das ihm sagt, etwas zu tun.Es gibt ein Wörterbuch voller Befehle, die von Trainern benutzt werden, um dem Hund zu sagen, was er tun soll.  Da es einen Trainingsbefehl für jeden Schritt, den ein Hund beim Hüten unternimmt, gibt und da Trainer manchmal rauhe Zwangsmethoden benutzen, einen Hund zum Befehlsgehorsam zu bringen, noch bevor der Hund seine Aufgabe versteht, kann Training (und normalerweise tut es das auch) jegliches Aufblinken von selbständiger Arbeit, das ein Hund möglicherweise von Anfang an zeigt, speziell wenn der Hund starken “genetischen Gehorsam” besitzt, wirkungsvoll auslöschen. 

Zur Zeit erhalte ich meine Erziehung im Hüten von Nicky.  Nicky ist mein Hund, gezeugt von Manfred Heyne’s letztem Hütehund aus einer langen Linie von Champions, die selektiv für ihren Instinkt, für starke Triebkraft und “genetischen Gehorsam” gezüchtet wurden.  Vor einigen Jahren brachte ich Nicky für 6 Monate nach Deutschland und beobachtete ihn, als er unter der “Führung” von Manfred Heyne lernte, stolz und selbständig zu arbeiten.  Lassen Sie mich nun versuchen, auf Grund meiner eigenen. 

Erfahrungen aus dieser Zeit und danach, zu erklären, was ich über die Arbeit mit den Instinkten eines Hundes gelernt habe.  Ich züchtete Nicky und hatte so die Möglichkeit, mich von Anfang an mit jedem der Welpen aus seinem Wurf vertraut zu machen.  Als sie 8 Wochen alt waren, kannte ich die Persönlichkeiten und Verhaltenseigenschaften jedes einzelnen von ihnen.  Ich wählte Nicky als den vielversprechendsten Welpen im Wurf aus und glücklicherweise wählte Nicky mich.  Mich auszuwählen war das erste Zeichen für mich, daß Nicky diesen starken, “Bereitwilligkeit zu gefallen”, genetischen Trieb geerbt hatte, wofür Manfred 40 Jahre verbracht hatte, um ihn selektiv zu züchten.  Dieser Trieb würde sich in “genetischen Gehorsam” entwickeln, wenn Nicky heranreifte.  Alles was ich in den ersten neun Monaten bis zu einem Jahr mit Nicky tat, war, ein vertrautes Verhältnis zu entwickeln und ihn durch den Ton meiner Stimme lernen zu lassen, was mir gefiel oder mißfiel.  Die einzigen Befehle, die ich ihn während dieser Zeit lehrte, waren “Komm” und “Halt”.  Das war alles, was ich tat, bevor ich Nicky den Schafen auf dem Feld vorstellte. 

Nicky war 20 Monate alt, als ich ihn nach Deutschland brachte, um seine grundlegende Erziehung im Hüten mit Manfred Heyne zu beginnen.  Ich konnte nur die ersten drei bis vier Wochen bei ihm bleiben, um ein erstes Gefühl zu bekommen, wie man den Anfang macht.  Zuerst machte Manfred Nicky mit der Abgrenzung bekannt, nachdem die Schafe schon auf die Weide gebracht worden waren.  Vorzugsweise durch den Ton der Stimme, aber auch körperlich, wenn nötig, wurde Nicky klipp und klar beigebracht, daß er keine Erlaubnis hat, über die Abgrenzung auf die Weide zu gehen, aus welchem Grund auch immer.  Nicky wurde dies beigebracht, indem er an der Leine gehalten wurde, bis er konsequent bewies, daß er gelernt hatte, die Abgrenzung zu respektieren und daß er, wenn er doch hinein ging, was am Anfang oft passiert bei einem Hund mit einem starken Trieb,sofort auf ein strenges “Pfui” vom Schäfer reagierte, indem er umgehend wieder heraus ging.  Als Nicky all diese Dinge an der Leine zu Manfred’s Zufriedenheit bewiesen hatte, wurde er auf der Abgrenzung von der Leine genommen und durfte frei arbeiten.  Regel Nr. 1:  der Hund muß sich jede Steigerung an Freiheit und Verantwortung, die ihm gewährt wird, verdienen. 

Die Abgrenzung ist der Ort, an dem Nicky lernte, seine Instinkte zu benutzen, seinen Trieb zu kontrollieren, sein Vertrauen zu entwickeln, unabhängig zu arbeiten und seinen Hütefähigkeiten den letzten Schliff zu geben, ohne fremde Hilfe, mit nur noch gelegentlichen Anweisungen (Ton der Stimme und Signale mit dem Hirtenstab) von Manfred.  Es gab kein Schreien von Befehlen, um ihn dazuzubringen, etwas zu tun.  Wenn Nicky an der Abgrenzung sitzen und den ganzen Tag nichts tun wollte, war das in Ordnung.  Und tatsächlich war das genau, was Nicky die ersten zweieinhalb Tage tat, nachdem er an der Abgrenzung freigelassen worden war. 

Sobald Nicky an der Abgrenzung freigelassen worden war, mußte er ein einziges Mal klipp und klar zurechtgewiesen werden, dafür, daß er seine Freiheit nutzte, hineinzurennen, ein Schaf zu greifen, sich weigerte, es loszulassen und herauszukommen, als er gerufen wurde.  Diese Zurechtweisung ließ Nicky aufwecken und erkennen, daß es klare Regeln in diesem Spiel gab und daß er sie besser lernen sollte oder er würde seine Freiheit, zu arbeiten, verlieren.  Die Entscheidung lag bei Nicky.  Würde Nicky hart daran arbeiten, um zu lernen? 

Manfred’s strickte Anweisungen an mich, nachdem er Nicky zurechtgewiesen und wieder an die Abgrenzung platziert hatte, waren:  an der Abgrenzung stehen, die Schafe beobachten und den Hund vollkommen ignorieren.  Das war eine richtig aktive Geduldsprobe für mich. Manfred wußte schon, daß Nicky sich für die Arbeit entscheiden würde, ich nicht.  Weder Nicky noch ich bewegten uns an dieser Abgrenzung für zweieinhalb Tage.  Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, wirkt es komisch, damals war es gräß-lich.  Nur Nikko, Nicky’s Vater, arbeitete allein, während Manfred in seinem Auto saß und Zeitung laß und ich an der Abgrenzung Statue spielte. 

Am ersten Tag saß Nicky an der Abgrenzung mit dem Rücken zu den Schafen, ignorierte uns alle und starrte nur buchstäblich hinauf in den Weltraum.  Am Morgen des zweiten Tages saß Nicky immer noch an der Abgrenzung, jedoch hatte er sich nun etwas zur Seite gedreht, sodaß er Nikko aus seinem Augenwinkel heraus bei der Arbeit beobachten konnte.  Am Nachmittag desselben Tages saß Nicky an der Abgrenzung mit dem Gesicht nach vorne und beobachtete alles.  Am Morgen des dritten Tages stand Nicky an der Abgrenzung und beobachtete Nikko.  Am Nachmittag des gleichen Tages, nach etwa einer halben Stunde des Beobachtens, fing Nicky ebenso an zu arbeiten — sich vorwärts und rückwärts bewegend, entlang der Abgrenzung, mit vollkommen scharfem Blick auf die Schafe gerichtet.  Manfred stieg aus seinem Auto aus und klatschte leise in die Hände, als ob er sagen wollte:  “Bravo, ich wußte, er würde es sich anders überlegen.”  Während der gesamten zweieinhalb Tage wurde nicht ein Wort gesprochen — Nicky hatte, was immer er gelernt hatte, ganz allein für sich selbst gelernt.    

Von dem Moment an, als Nicky seine Freiheit an der Abgrenzung verdient hatte, die Regeln herausgefunden und beschlossen hatte zu arbeiten, wurden sein Trieb und sein Vertrauen stetig stärker.  Trotzdem er anfangs nur auf einer Seite der Weide arbeiten durfte, an der selben Abgrenzung, an der der Schäfer sich befand, wuchs sein Trieb und seine Kraft immer mehr, ebenso wie seine Intensität und sein scharfer Blick auf die Schafe.  Mit seinem Trieb und seinem scharfen Blick wuchs jedoch auch mein Level an Besorgtheit.  Nach alledem stand ich da an der Abgrenzung, beobachtete, wie die Beuteinstinkte meines Hundes mit anwachsender Triebkraft lebendig wurden und alles, was ich hatte, um ihn unter Kontrolle zu bekommen, waren die Worte: “Komm”, “Halt”, “Pfui” und “Brav”.  Ich erinnere mich klar daran, wie ich vor mich her brummelte:  “Bitte, lieber Gott, laß es so etwas wie “genetischen Gehorsam” geben und BITTE, lieber Gott, laß Nicky ihn haben!”    

Manfred konnte sehen, daß ich zunehmend besorgter wurde wegen der Möglichkeit, die Kontrolle über den Hund zu verlieren.  Er wußte, daß die Worte “Nicky, Pfui!” geladen und bereit waren, jederzeit aus meinem Mund geschossen zu werden, wenn auch nur ein Fußnagel danach aussah, als wolle er die Grenze überschreiten.  Also gab Manfred mir Regel Nr. 2: stell dich an die Abgrenzung, das Gesicht den Schafen zugewandt, mit dem Rücken zum Hund, halte still, bleib ruhig und vor allem korrigiere den Hund nicht, bevor du nicht genau weißt, was seine Absichten sind. Ein gelegentlicher Sprung auf die Weide und gleich wieder heraus, um die Schafe zu erschrecken, ist akzeptabel — das macht dem Hund Spaß und erlaubt ihm, ein Gefühl für seine Stärke zu bekommen. Die anfängliche Erziehung muß nicht zu einem Militärdrill werden – es sollte Spaß machen und dem Hund muß erlaubt werden, seine Stärke und seinen Einfluß auf die Schafe zu testen, solange er nicht auf die Weide rennt, um die Schafe zu jagen und zu packen.    

Für Manfred also gilt folgendes:  hat ein Hund einmal gezeigt, daß er arbeiten will, dann werden die Grenzen der Weide zum Klassenzimmer für das gesamte erste Jahr der Ausbildung. Der Hund darf alles tun, was er will, solange er nicht auf die Weide rennt, um Schafe zu jagen und zu packen — innerhalb der Weidengrenze, das weiß der Hund, macht der Schäfer die Regel gegenüber dem Hund geltend.  Der Hund muß nun für sich selbst lernen, daß es außerhalb der Weide seine Aufgabe ist, klare Grenzen zu setzen für die Schafe und daß er diese Grenzen geltend machen muß, genauso wie es der Schäfer macht, wenn der Hund auf die Weide geht.  Die Schafe dürfen innerhalb der Abgrenzungen alles tun, was sie wollen — außerhalb der Weidengrenze, das muß der Hund lernen, ist es seine Aufgabe, die Regel gegenüber den Schafen geltend zu machen.    

Die Rangordnung im Rudel wurde festgelegt: 1.) Schäfer 2.) Hund 3.) Schafe; und die physikalische Ordnung wurde festgelegt:  1.) Schafe innerhalb der Abgrenzungen 2.) Hund außerhalb der Abgrenzungen.  Die Aufgabe des Schäfers sollte nur folgende sein müssen:  1.) dafür zu sorgen, daß die Ordnung eingehalten wird 2.) den Hund dabei zu beobachten, wie er für sich selbst die Kunst des Hütens erlernt, indem man die Wirkung, die sein Verhalten an den Abgrenzungen auf die Schafe auf der Weide hat, testet und 3.) den Hund zu unterstützen, wenn nötig, falls die Schafe ihn herausfordern, bevor er erfahren genug ist, mit der Herausforderung richtig umzugehen.  Keine Befehle. Kein Lärm. Kein Training. Keine Verwirrung.  Der Hund muß den Schäfer respektieren.  Die Schafe müssen den Hund respektieren und dem Schäfer vertrauen.    

Das ist eigentlich alles, was während des gesamten ersten Jahres getan wird, wenn man einen Hund nach Manfred Heyne’s Methode erzieht.  Während des ersten Jahres besteht die gesamte Ausbildung aus zwei Befehlen an den Abgrenzungen.  Das ist alles, was man benötigt, um den Trieb und das instinktive Verhalten des Hundes zu “leiten”.  Es werden keine Befehle benutzt, den Hund dazuzubringen, eine Aufgabe zu verrichten.  Der Hund muß sie verrichten WOLLEN.  Wenn er nicht arbeiten will, ist seine Ausbildung beendet und er ist ausgeschieden.  Jede Verhaltensweise, jeder Instinkt und jede Fähigkeit, die für das Hüten notwendig sind, ist in einem selektiv gezüchteten Hund von Geburt an vorhanden.  Alles, was der Schäfer tun muß, ist, den Hund dieses Verhalten an der Abgrenzung selbst entwickeln zu lassen, mit so wenig Einmischung als möglich.  Wird er einmal in Ruhe gelassen an der Abgrenzung, während der Schäfer nur dafür da ist, sicher zu gehen, daß der Hund keinen Ärger bekommt, anstatt ihn mit Trainigsbefehlen “zu Tode zu quälen”, so wird der Hund durch Versuche und Fehler für sich selbst lernen, wie sein Verhalten die Schafe beeinflußt.  So dann, nach einem Jahr der Vertrauensbildung und des Zurechtschleifens der neu entdeckten Hütefähigkeiten an der Abgrenzung, braucht dem Hund nicht mehr gesagt werden, was er tun muß, um die Schafe zu bewegen — der Schäfer braucht dem Hund nur zu zeigen, wohin er sie bewegen soll:  dem Hund braucht nicht mehr gesagt werden, wie man die Vorwärtsbewegung der Herde stoppt — der Schäfer braucht dem Hund nur zu sagen wann und wo.  

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