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Von
Jürgen Rixen Manfred Heyne ist jetzt 74 Jahre alt. Die meiste Zeit seines Lebens hat der Schäfermeister mit Schafen und Deutschen Schäferhunden verbracht. Er ist der erfolgreichste Züchter und der erfolgreichste Ausbilder im Verein für Deutsche Schaferhunde. Aber kaum jemand kennt ihn. Das war für Der Gebrauchshund ein wichtiger Grund, ihn in seinem Heimatdorf Wartenberg (Hessen) zu besuchen und von ihm etwas über die ursprüngliche Arbeit des Deutschen Schäferhundes zu erfahren. Schutzhundleistungssportler und Züchter zitieren oft und gerne den Grander des SV. Aber welche Einstellung hatte von Stephanitz? In seinem Buch „Der Deutsche Schäferhund in Wort und Bild” kann man es nachlesen: „Des Schäferhundes eigentlicher und vornehmster Beruf ist freilich der Hütedienst bei der Herde, und zwar wie sein Name besagt, bei der Schafherde.” Manfred
Heyne stammt aus Meissen (Sachsen) und
hatte schon als kleiner Junge bei seinem
Opa Ziegen und Schafe kennen gelernt und
besonders die kleinen Lämmchen faszinierend
gefunden. Er erinnert sich noch gut, dass
er als vielleicht sechsjähriger Bub
zu Weihnachten einen kleinen Pferdestall
aus Holz geschenkt bekam.,,Wissen Sie,
was ich getan habe? Ich habe die zwei Pferde
und den Wagen unters Bett geschoben und
habe mir dann im Frühjahr Weidenkätzchen
gepflückt. Die habe ich in den Stall
gelegt. Das waren meine Schäfchen!" Als
Walter Lorenz 1943 Reichssieger im Hüten
geworden war, hatte man ihn zu einer Ehrung
auf die Albrechtsburg in Meissen geladen.
Der gesamte Burghof war mit Parteimitgliedern
und SA gefüllt. Als Lorenz dann zu
seiner Ehrung hervortreten sollte, schrie
der GAU-Leiter ins Mikrofon: „Warum
sind Sie noch nicht in der Partei?” Lorenz
bekam einen roten Kopf und rief zurück: „Wenn
Sie mich das fragen wollten, dass hätten
Sie mir auch früher sagen können!” Clothar von Erlingshofen wäre bei Kriegsende beinah erschossen worden. Russische Soldaten tauchten vor seinem Zwinger auf und schossen hinein. Der Rüde wurde an der linken Ohrmuschel getroffen und litt noch Jahre später an eitrigem Ausfluss. Aber auch diese Situation bekam sein Herrchen Lorenz in den Griff. Nach
Ende seiner Lehrzeit bekam Manfred Heyne
von seinem Lehrmeister einen Enkel dieses Clothar
von Erlingshofen geschenkt, den
Rüden Erwin von der Sorbigauer
Höhe. Einige Jahre und Arbeitsstellen
später, 1952, — die DDR war
inzwischen gegründet — flatterte
Heyne der Stellungsbefehl für die
Volks-polizei ins Haus. Da gleichzeitig
ein Enteignungsverfahren gegen seinen Chef
lief, beschlossen die beiden, aus der DDR
zu flüchten. Im Flüchtlingslager wetteten die Leute ob seiner Rückkehr — die meisten gaben ihm keine Chance. Mit
dem Zug fuhr er bis Rostock und setzte
sich dort in ein Taxi. „Zum Glück
hatte ich ein bisschen Geld bei mir.” Zwei
Ortschaften vor Marlow begann Heyne dann
dem Taxifahrer zu berichten, warum sie
nach Marlow fuhren. „Da hat er mir
erst einmal Geld abgenommen, damit er schweigt
und mich nicht ausliefert.” Bei den
Bekannten in Marlow angekommen, musste
Heyne erschüttert feststellen, dass
die seinen Hund auf einen Bauernhof nach
Ribnitz-Damgarten gegeben hatten. Also
ging die nacht-liche Fahrt im Taxi weiter. „Die
Nacht wurde zur Ewigkeit.” Er fand
seinen Hund, packte ihn ins Taxi und zurück
ging es nach Rostock. Heyne
fuhr doch mit dem Zug. Allerdings waren
die Züge damals streng überwacht.
Jeweils ein Volkspolizist und ein russischer
Soldat fuhren zwei Stationen mit, stiegen
aus und fuhren mit dem Gegenzug wieder
zurück. Alle Personen mit viel Gepack
oder Heyne bekam sein Dienstabteil und setzte sich mit seinem Hund direkt vorne an die Tar. Er griff dem Tier ins Halsband, und jedes Mal wenn ein Polizist oder ein Soldat am Abteil vorbeiging, fasste er fester zu und flüsterte seinem Hund „Pass auf” ins Ohr. Wenn dann ein Soldat die Tar offnete, bellte und knurrte der Rüde. Die Tür flog wieder zu, und Heyne kam unbeschadet nach Berlin. Eine spannende Geschichte, nicht wahr? Aber warum wird sie in der Fachzeitschrift Der Gebrauchshund abgedruckt? Nun, die Antwort ist recht einfach. Mit Erwin, dem Hund, den Manfred Heyne unter Lebensgefahr aus der DDR herausholte, gewann er 1954 zum ersten Mal das SV-Bundes-leistungshüten. Mit einem Sohn dieses Rüden gewann er 1959 zum zweiten Mal diesen Hütewettbewerb. Und mit einem Enkel gewann er 1963! Und so weiter und so fort ... Manfred gewann 13-mal das SV-Bundesleistüngshuten: Drei Millionen Schafe werden in Deutschland zur Fleischproduktion und zur EU-subventionierten Pflege der Landschaft gehalten. Die Wollproduktion spielt nur eine untergeordnete Rolle. Um
grosse Schafherden auf einem Gelande ohne
Einzäunung weiden zu lassen, benutzt
der Schäfer Hütehunde. Von diesen
Hütehunden wird verlangt, dass sie
die Grossherden auf der Strasse zusammenhalten,
wenn sie von einem Ort zum anderen ziehen,
und dass sie die Herden in den vorgesehenen
Grenzen halten und von wertvollen Getreidefeldern
fern halten, während sie tagsüber
grasen.
„Genetischer
Gehorsam” drückt sich aus in
der Bereitwilligkeit, den Schäfer
zufrieden zu stellen und den Schäfer
als Führer zu akzeptieren. „Genetischer
Gehorsam” ist der Brems und Lenkmechanismus,
den der er-fahrene Schäfer benutzt,
um die hohe Triebkraft und die natür-lichen
Verhaltensweisen, die einen Hund zum Hüten
bringen, aus dem Beuteinstinkt herauszu-leiten.
Einem Hund mit „geneti-schem Gehorsam” braucht
vom Schäfer nur gezeigt werden, welche
Arbeit gemacht werden muss, und, wenn er
es einmal verstanden hat, erledigt er die
Aufgabe bereitwillig, zuverlässig
und vor allem selbstständig das ist „Erziehung”.
Ein Hund mit diesem Trieb will nicht nur
ar-beiten, er will in Kooperation mit dem
Schäfer arbeiten. Trainer mit einer
Herr/Sklaven-Mentalität gegenüber
dem Hund sind eine Beleidigung für
die genetische Veranlagung eines solchen
Hun-des. Auf der anderen Seite muss ein
Hund, dem „genetischer Gehorsam” fehlt,
vom Schäfer In dieser Situation könnten wir auch sehr schön beobachten, dass der Hund Wege, Ackerfurchen und Spuren in der Weideflächen als Grenzen annahm. So war Heyne mit dem Auto über die Weide gefahren und hatte dem Hund so auf einer Seite die Grenze markiert. „Sie müssen den richtigen Hund in einem Wurf finden — aber es gibt viele Würfe, da ist nicht ein richtiger drin. Die Papiere können noch so rot sein, die können über Generationen rot brennen, und trotzdem ist kein Hund im Wurf, der diese Genetik hat.” Ob
ein Welpe nun der Richtige ist oder nicht,
entscheidet Heyne bei einem Welpentest.
Zuvor hat er den ganzen Wurf natürlich
ständig beobachtet und Welpen, die
sich bei lauten Geräuschen erschrecken,
schon gedanklich aussortiert. Das
Ganze ist in einer Minute vorbei. Den „Tierschützern” sei
gesagt, dass diese Tests mit dem Alter
und der Grösse angemessenen Lämmern
mit dicker Wolle Bei diesen genetisch gut geeigneten Hunden ist die Ausbildung auch relativ einfach. Manfred Heyne hatte bei seinem aktuellen Luki leichtes Spiel. Es begann damit, dass er die Schafe in ein Gehege sperrte und Luki dieses umrunden durfte. Es folgte ein Loch im Zaun und das Weglassen einer ganzen Zaunseite. Später stellte Heyne sich dann an eine Furche und unterstützte das angeborene Verhalten des Hundes, in dieser Furche zu laufen, mit seiner Stimme und - wenn es sein musste — mit Grenzsetzung mittels seiner Schäferschippe. Achten Sie einmal darauf, dass vielen Hunden das Laufen in einer Furche oder auf einer Treckerspur angeboren ist. Im
Alter von einem Jahr überzeugte Luki seinen
Herrn dann restlos. Er wagte sich zu nah
an einen Schafsbock und wurde von diesem
angegriffen. Luki überschlug
sich, rappelte sich wieder auf und packte
den Bock dann von vorne oben ans Genick – so
wie er es beim Welpentest schon gezeigt
hatte.
Manfred
Heyne war als Züchter überaus
erfolgreich. Nicht nur, dass er alle Hunde,
mit denen er das SV-Bundesleistungshüten
gewonnen hat, selbst gezüchtet hat
(natürlich bis auf den Ersten, den
er ja geschenkt bekam). Er hat auch als
Schafzüchter grosse Erfolge vorzuweisen. Das
SV-Bundesleistungshüten, wie es heutzutage
durchgeführt wird, ist für Manfred
Heyne mehr eine Show-Veranstaltung, denn ähnlich
wie oft im Schutzhundbereich kommt es
bei der Beurteilung nicht auf die genetische
Veranlagung des Hundes an. ,,Die paar Schäfer,
die noch mitmachen, belügen sich ja
auch jeden Tag. Bei jedem Wurf, bei jeder
Paarung belügen die sich selber. Die
wissen ja auch nicht mehr, was ein wirklicher
Hütehund ist. Die sind mit Kommando-Roboter
zufrieden. Ich sehe keine Zukunft mehr. Heyne
ist so erzürnt, weil er nur leider
exemplarisch an seinem Hund erleben konnte,
dass Hunde wie sein Luki, die
genetisch gute Hütehunde sind, wegen
anderer „Fehler” nicht in den
Zucht eingesetzt werden dürfen. Luki z.B.
hat einen kleinen Rückbiss - wenige
Millimeter Zahnfehlstellung sind Grund
für der Verlust wertvoller Fähigkeiten. Wer seinen Luki einmal bei der Arbeit an den Schafhende beobachten und sich in die Geheimnisse des Hütens einweihen lassen will, ist bei Manfred Heyne herzlich willkommen. Die Kontaktadnesse hält die Redaktion vor Der Gebrauchshund bereit. Aber Sie müssen sich beeilen, denn der Schäferveteran ist pessimistisch: ,,Dem DSH gebe ich noch zwischen zehn und fünfzehn Jahren – mehr nicht.”
Ellen Nickelsberg Nickelsberg's Farm 44 Chase Lane Medusa, NY 12120 Phone: 518-239-4972 E-mail:nicky@mhonline.net Another site brought through the Send comments regarding this page to: WebMaster http://www.glassportal.com |